BCKategorie 09.11.2015 13:34:02 Uhr

Sagen und Legenden

Sage vom im Salzunger See versenkten Silberglöckchen

Als Salzungen noch das "Silberstädtchen" hieß, sollen sich einmal die Ratsherren der Stadt versammelt haben, um in einer hochwichtigen Sache einen Beschluss zu fassen. Die Heerscharen der Schweden bedrohten die Stadt und man wollte das über dem Rathaus hängende silberne Glöckchen vor dem Kriegsvolk verbergen. Die Herren konnten zu keinem Entschluss gelangen. So kam es ihnen gelegen, dass der Torschreiber einen soeben angekommenen, weisen und hochgelehrten Herrn auf dem Rathaus anmeldete. Sie baten diesen um Meinung. Der Fremde schlug vor, die Glocke im See zu verbergen. Da die Ratsherren diese Ansicht für gut befanden, wurde die Glocke abgenommen, in einen Kahn geladen und die Herren versenkten sie im See. Als sie jedoch wieder am Ufer angelangt waren, stellten sie fest, dass sie die Stelle im See, an der die Glocke lag, nicht markiert hatten. Da trat einer lächelnd hervor und sagte, dass er an der Stelle des Kahns, an welcher die Glocke versenkt wurde, eine Kerbe gemacht habe. Daraufhin gingen die Herren erleichtert nach Hause. Der Fremde wurde auf Staatskosten köstlich bewirtet und zog dann, sich ins Fäustchen lachend, in Richtung Wasungen davon. Man sagt, dieser Fremde wäre kein geringer als Till Eulenspiegel gewesen. Die Glocke soll noch heute im See ruhen. An stillen Tagen oder Nächten läutet sie mit silbernem Klang und erinnert somit an diese Geschichte. (nacherzählt Ludwig Wucke)

Legende vom "Salzunger Seebeben" 1755

Am 1. November 1755 wurde die Hauptstadt Portugals, Lissabon, durch ein großes Erdbeben zum größten Teil zerstört. Just zur selben Zeit, am gleichen Tage und zur selben Stunde geriet auch unser See in große Erregung. Sein Wasser kam in stark kreisende Bewegung und flutete Woge auf Woge, dreimal hintereinander in einem trichterförmigen Wirbel hinab, so dass die Ufer von allen Seiten nackt starrten und die Felszacken aus der verborgenen Tiefe dem staunenden Auge sichtbar wurden, als wollte alles Wasser in den Schoß der Erde verschwinden. Dann aber brausten die Fluten schäumend wieder herauf, von schwarzem Gischt bedeckt, und zwar mit solcher Heftigkeit, dass sie über die Ufer des Sees teilweise hinweg schossen und sogar die Stadt mit Überschwemmung bedrohten. Gleichzeitig waren solche Erdstöße spürbar, dass die Glocken der Stadtkirche von selbst anschlugen. Die ganze Erscheinung dauerte eine Viertelstunde. Über dieses merkwürdige Ereignis hat man lange, ganz ausführlich Protokoll aufgenommen und dem Herzog nach Meiningen übersandt. Diese Berichte hinterließen bei der Regierung einen solch tiefen Eindruck, dass man die Erscheinung als gottgesandt betrachtete und Herzog von Meiningen schrieb deshalb einen allgemeinen Bußtag aus, der am 10. Februar 1756 auch berichtet wurde, man habe nach dem geschilderten Ereignis eine portugiesische Soldatenmütze auf dem See schwimmen sehen und wenn man etwa damit sagen wollte, dass unser See unterirdisch mit dem Ozean verbunden sei, so beweist es wohl, dass dieser Teil der Legende in die Märchenwelt einzuordnen ist. (aus Chronik P. Luther, Stadtarchiv)

zurück